Great faces - great places?
Der weit verbreitete Rassismus in Süd-Dakota macht Lakota-IndianerInnen
zu Gejagten im eigenen Land
von Bernd Parusel
Abstract: Vor mehr als 500 Jahren begann die Besiedelung Nordamerikas durch
europäische Einwanderer. Im Zuge der Landnahme, begleitet von
Vertragsbrüchen und Kriegen, wurden dabei die amerikanischen
Ureinwohner ihrer Lebensgrundlage beraubt, verdrängt und getötet.
Heute leben sie, die Indianer, zumeist auf Reservationen, die nur noch
einen Bruchteil ihres ehemaligen Landes umfassen. Sie haben mit einer
Vielzahl von Problemen zu kämpfen. Besonders erniedrigend und auch
gefährlich ist der Rassismus, dem sie vielerorts in den USA ausgesetzt
sind. Das Beispiel der Oglala Lakota (auch: »Oglala Sioux«), die
auf der Reservation Pine Ridge im heutigen US-Bundesstaat South Dakota
leben, zeigt, dass es dabei nicht »nur« um rassistische
Vorurteile der weißen Amerikaner gegenüber den Indianern geht,
sondern auch um - oft tödliche - Gewalt.
Abstract:
More than
500 years ago European immigrants started to settle down in North America.
During their take-over of the land, which came along with broken treaties
and war, the Native American peoples got robbed the fundamental bases of
their way of life, driven away and killed. In our days, most of the
Indians live on reservations that do not cover more than a very little
share of their former land. Besides, they still have to face a lot of
problems. The most humiliating and dangerous one is racism. It threatens
Indians in many parts of the United States. The example of the Oglala
Lakota, („Oglala Sioux") who live on the Indian reservation of Pine
Ridge in the state of South Dakota, shows that racism does not only involve
racist prejudice by white Americans towards Indians, but also oftendeadly
violence. Jedes in South Dakota gemeldete Auto trägt ein
Nummernschild, das mit dem Slogan "Great faces, great places" für die
Schönheiten des US-Bundesstaats wirbt. Mit den great faces sind die
vier riesigen Köpfe der US-Präsidenten George Washington, Thomas
Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt gemeint, die in den Berg
Mount Rushmore gesprengt sind, und die jedes Jahr Scharen von Touristen
anziehen. Zu den great places Süd-Dakotas dürften die Black
Hills zählen, zu denen der Mount Rushmore gehört, ebenso wie die
Badlands im Südwesten oder der Missouri im Osten. Kein Zweifel, South
Dakota hat viele Sehenswürdigkeiten und landschaftliche
Schönheiten. Doch nicht alles, was in diesem Bundesstaat vor
sich geht, ist so wunderbar, wie es der Slogan suggeriert. So haben viele
weiße BürgerInnen South Dakotas eine sehr „spezielle"
Vorstellung davon, wie ein great face auszusehen hat - es muss weißer
Hautfarbe sein. Menschen, die nicht so aussehen, also beispielsweise
IndianerInnen, die einem der Zweige der Lakota angehören, können
davon berichten, was es bedeuten kann, nicht weiß, sondern
„rot" zu sein. Viele haben rassistische Übergriffe erlebt.
Übergriffe, die oft tödlich enden.
Rassismus
gegenüber Indianern
Rassismus steht in Süd-Dakota im
Kontext einer langen Tradition. Bereits zu der Zeit, als zum ersten Mal
Weiße nach Nordamerika kamen, betrachteten die europäischen
Pioniere die Ureinwohner als minderwertige und primitive Wilde, die der
höheren weißen „Zivilisation" zu weichen hatten. Sie
wurden ihres Landes beraubt, und viele wurden umgebracht. Der Satz
„Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer" aus dem Jahr 1868
machte seinen Urheber, US-General Sheridan, im weißen Amerika
bekannt. Zeitweise wurden sogar Prämien auf indianische Skalpe
ausgesetzt. Indianer wurden zu Gejagten im eigenen Land. Heute leben
sie zumeist auf Reservationen, die nur noch einen Bruchteil ihres
ursprünglichen Gebietes umfassen. Der Rest des Landes befindet sich -
zu einem großen Teil widerrechtlich - in den Händen der
Nachfahren ehemals eingewanderter Europäer, der heutigen
US-AmerikanerInnen. Dieses Unrecht ist heute aus den Köpfen vieler
US-Amerikaner verdrängt. Der alte anti-indianische Rassismus dagegen
ist nicht verschwunden. Im Gegenteil - IndianerInnen werden nach wie vor
erniedrigt und verfolgt. Heute noch zeugen einige der kleinen Border
Towns, der Grenzorte in unmittelbarer Nähe der Reservation Pine Ridge
der Oglala Lakota, von den „alten Zeiten" des Rassismus im
„Wilden Westen". Im Grenzort Scenic etwa befinden sich Saloons, an
denen Schilder angebracht sind, die einst darauf hinwiesen, dass
IndianerInnen keinen Zutritt zu den Lokalen hatten: „Indians not
allowed" stand dort geschrieben. Die Verneinung „not" wurde
irgendwann übermalt, so dass dort heute „Indians allowed" zu
lesen ist - als muss man extra darauf hinweisen, dass Menschen indianischen
Ursprungs Menschen mit gleichen Rechten sind.
Gewalt an den
Reservatsgrenzen
In Border Towns wie Scenic kommt es auch immer
wieder zu Gewaltakten gegenüber ReservationsbewohnerInnen. Aber auch
Weißen kann es passieren, angepöbelt und beleidigt zu werden,
wenn sie in Begleitung von indianischen Freunden dort unterwegs sind.
Rassistische Vorurteile gegenüber den Lakota sind allgegenwärtig.
Sie gelten als „Wilde" oder Trunkenbolde - und das bleibt nicht ohne
Auswirkungen: Football-Spiele zwischen indianischen und weißen Teams
müssen immer wieder abgebrochen werden - weil sich die weißen
Fans in rassistischen Beschimpfungen ergehen. Und nicht nur das: Viele
BewohnerInnen der Indianerreservation Pine Ridge haben Verwandte, die schon
einmal oder mehrmals von Weißen angegriffen wurden. Hinzu kommt,
dass manchmal nicht einmal die politischen Repräsentanten US-Amerikas
einen Hehl aus ihren indianerfeindlichen Anschauungen machen: Der
gegenwärtige Gouverneur des Bundesstaates South Dakota, William
Janklow, ist ein Beispiel hierfür. Als es in den siebziger Jahren auf
der Pine Ridge-Reservation zu Auseinandersetzungen zwischen weißen
Siedlern, dem FBI und dem American Indian Movement (AIM) kam, erklärte
Janklow in alter General-Sheridan-Manier: „Die einzige
Möglichkeit, das Indianerproblem in South Dakota zu lösen,
besteht darin, den AIM-Führern ein Gewehr an den Kopf zu halten und
abzudrücken." Dieser Ausspruch brachte ihm den Ruf als „Indian
Fighter" ein. Auch heute noch macht er ihm alle Ehre - etwa indem er sich
für die Übertragung indianischen Vertragslandes am Missouri River
an den Bundesstaat Süd-Dakota einsetzt. Im näheren Umfeld
der Pine Ridge-Reservation fallen gegenwärtig vor allem zwei
Brennpunkte rassistischer Gewalt auf: Zum einen der Grenzort Whiteclay, der
heute offiziell zum Bundesstaat Nebraska gehört, und den nur wenige
Schritte von der Reservationshauptstadt Pine Ridge trennen; zum anderen die
Stadt Rapid City, die zweitgrößte South Dakotas, die nur einen
Steinwurf von den Great Faces des Mount Rushmore entfernt liegt. Beide
befinden sich auf indianischem Vertragsland. Whiteclay ist ein
typischer Grenzort. Er besteht aus vielleicht einem Dutzend Häuser,
die alle entlang der Hauptstraße aufgereiht sind. Darunter befinden
sich einige Läden, in denen Alkohol verkauft wird. Das Bier- und
Schnapsangebot zieht Menschen aus dem Umland in das kleine Nest, darunter
auch Lakota-IndianerInnen aus Pine Ridge, wo Alkohol seit langer Zeit
verboten ist. Der Alkoholverkauf, verbunden mit einer Präsenz
rassistischer und indianerfeindlicher Gewalttäter hat oft zu
Übergriffen geführt: In den letzten Jahren sind in und um
Whiteclay etwa acht Lakota ermordet worden, zumeist Bewohner der
Reservation Pine Ridge. Der Hergang der tödlichen Gewaltakte wurde
von den Ermittlern Nebraskas jedoch in keinem Fall genau untersucht,
geschweige denn öffentlich gemacht. "Polizeiberichte fehlen, und die
Behörden von Nebraska weigern sich, mit uns zusammenzuarbeiten", sagt
ein Vertreter des Stammesrats der Oglala Lakota aus Pine Ridge, von wo die
meisten Opfer stammen. Nachdem im Jahr 1999 erneut zwei Lakota
ermordet wurden, haben indianische AktivistInnen im Juli desselben Jahres
unmittelbar bei Whiteclay ein Protestcamp errichtet. Das Lager,
„Camp Justice" genannt, erinnert an die Opfer der rassistischen
Gewalt und hilft den AktivistInnen, ihre Forderungen in die
Öffentlichkeit zu tragen. Neben der Untersuchung der Mordfälle
setzen sie sich unter anderem für ein Verbot des Alkoholverkaufs in
der direkten Umgebung der Reservation ein. Lakota aus Pine Ridge
organisierten zudem Gedenkmärsche zu Ehren der Toten. In einer
Zeitung veröffentlichten sie Fotos der Ermordeten: "Wir vergessen Euch
nicht".
Brennpunkt Rapid City
Demonstrationen gegen
Rassismus fanden seit 1998 auch mehrmals in Rapid City statt, dem zweiten
Brennpunkt der Gewalt. Die Stadt entstand Ende des 19. Jahrhunderts im
Zuge des gold rush, als weiße Goldsucher zu Tausenden widerrechtlich
in das den Lakota vertraglich zugesicherte Gebiet um die Black Hills
strömten. Die Ansiedlung der Goldsucher wuchs rapide - daher bezieht
die Stadt ihren etwas skurrilen Namen. Die Nähe zu den Black Hills,
einer Gebirgsgegend mit vielerlei Erholungsmöglichkeiten, macht Rapid
City heute zu einem touristischen Anziehungspunkt hauptsächlich
weißer AmerikanerInnen. Reisende, die den Mount Rushmore und die
dort in den Berg gesprengten great faces besuchen wollen, machen
häufig Station in der „schnellen Stadt". Außerdem leben
und arbeiten dort viele Lakota - vor allem in saisonalen Jobs im
Tourismussektor. Durch Rapid City fließt der Rapid Creek. Der
Fluss und seine Uferpromenaden dienen den BewohnerInnen der Stadt als
Naherholungszone. Daneben wohnen Obdachlose unter den Brücken und an
den Ufern des Flusses - darunter auch Indianer. Auch hier sind seit Mai
1998 mindestens acht Lakota ums Leben gekommen. Die Todesursachen sind
umstritten - klar ist lediglich, wie die Leichen gefunden wurden: Im
Flussbett, mit dem Gesicht nach unten. Die Todesfälle vom Creek
haben Ängste unter den in Rapid ansässigen Lakota geschürt.
Sie sind davon überzeugt, dass die Toten ermordet wurden, und nicht
einfach in alkoholisiertem Zustand in den Fluss gefallen und ertrunken
sind, wie die Polizei behauptet. Die Ordnungshüter betrachten nach
den Worten des Polizeichefs von Rapid City, Thomas L. Hennies, die
Todesserie zwar als „auffällig". Dennoch geht Hennies nicht von
Morden aus. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, und auch Zeugen
würden nicht existieren.
Die Polizei leugnet die Gewalt
In vielen Punkten widersprechen sich die Angaben der Polizei auf der
einen, sowie die Informationen von Lakota aus Pine Ridge, BewohnerInnen von
Rapid City und Angehörigen der Toten auf der anderen Seite.
Während Thomas Hennies keine physischen Beweise für Gewalt
erkennen will, berichtet die Familie eines der am Rapid Creek ums Leben
gekommenen Lakota, Timothy B., davon, dass er nackt im Flussbett gefunden
worden war, und dass Abdrücke von Seilen an seinem Hals erkennbar
waren. Außerdem war sein Körper übersät von
Verbrennungen durch auf der Haut ausgedrückte Zigarettenstummel. Und
während die Polizei IndianerInnen gegenüber erklärte, B.
habe hohe Mengen Alkohol im Blut gehabt, wissen diese, dass er nicht trank,
sondern an den Traditionen der Lakota orientiert lebte. Doch nicht
nur im Fall B. machen Police Department und Lakota-Indianer
unterschiedliche Angaben. Auch die Beteuerungen von Polizeichef Hennies,
Ermittlungsberichte über die Rapid Creek-Zwischenfälle
würden stets den Angehörigen der Toten vorgelegt und mit ihnen
diskutiert, weisen in der Stadt ansässige Lakota zurück. Die
Angehörigen würden seitens der Polizei nicht über die
Untersuchungen informiert. Vielmehr versuche sie offensichtlich, die
Todesursachen zu verschleiern und die Morde als Unfälle zu tarnen und
zu bagatellisieren. Auch der Direktor des Alkohol- und Drogenprogramms der
Stadt Rapid City widerspricht den Äußerungen der Polizei zu den
Todesfällen vom Creek: "Wir gehen davon aus, dass jemand dafür
verantwortlich ist, auch wenn wir keine konkreten Beweise haben. Was da
passiert, kann kein Zufall sein." Aus Sicht der Lakota nimmt die
Polizei ihren Auftrag, alle EinwohnerInnen der Stadt - also auch
indianische - zu schützen, nicht ernst. Einige haben deswegen eine
Gruppe gebildet, die unabhängig von der Polizei den Rapid Creek und
seine Uferwege zur Verhinderung weiterer Gewalt regelmäßig
patrouilliert. Nicht ohne Berechtigung, wie die bisherigen Erfahrungen der
Gruppe zeigen: Bereits in der ersten Nacht ihrer Kontrolltätigkeit,
berichten Mitglieder, hätten sie einen Lakota in den Büschen am
Fluss gefunden. Er war in Panik, durchgefroren, und seine Kleidung war
nass. Ein Mitglied der indianischen Patrouille, Frank K., wurde selbst
bereits in eine Schlägerei mit weißen Rassisten verwickelt, die
ihn und zwei weitere Lakota attackierten. Unklar ist bis jetzt, wer
genau die Toten vom Rapid Creek auf dem Gewissen hat, und ob es sich bei
den potentiellen Tätern um rassistische Einzeltäter oder um
Banden handelt. Zwar ist offensichtlich, dass sich viele weiße
BürgerInnen der Stadt allein durch die Anwesenheit von Indianern
provoziert fühlen, und dass einige davon auch vor Gewalt nicht
zurückschrecken. Viele Lakota sind jedoch davon überzeugt, dass
die Auseinandersetzungen zwischen IndianerInnen und Weißen in vielen
Fällen nicht spontan entstehen, sondern dass es neben dem
„alltäglichen Rassismus" auch organisierte Banden - neuerdings
auch Skinhead-Banden - gibt, die für einen Großteil der
rassistischen Gewalttaten verantwortlich sind. Frank K. identifizierte die
Personen, die ihn und seine Begleiter angriffen, als Skinheads, und auch
andere Lakota berichten von solchen Gruppen, die in der Rapid Creek-Zone
aktiv sind. Mehrmals hätten sie indianische Kinder durch die
Straßen der Stadt gejagt. Polizeichef Hennies dagegen bestreitet die
Präsenz von Skinhead-Banden in Rapid City. "Das ist nichts weiter als
ein Gerücht", erklärte er auf Anfrage schriftlich. "Es gibt
dafür keine glaubhaften Zeugen." Die Polizei versucht
offensichtlich, jeglichen Rassismusverdacht zu zerstreuen und die
Todesfälle vom Creek als Unfälle zu deklarieren. Die
Lakota-Bevölkerung der Stadt hat deshalb kein Vertrauen in die
öffentlichen Ordnungskräfte und bemüht sich, weitere Gewalt
durch eigene Patrouillen am Creek zu verhindern, Beweise zu sammeln und
diese öffentlich zu machen.
Zukunft ohne Rassismus?
Frank K. fragt sich außerdem nach den tieferen Ursachen des
Rassismus in den Stadt. Er weist darauf hin, dass Rapid City auf
indianischem Vertragsland liegt, das sich die Weißen widerrechtlich
angeeignet haben. "Wer immer diese Morde begeht", sagt K., „es ist
ihm peinlich, hier zu sein, auf unserem Land. Sie [die Weißen]
wollen hier keine Indianer sehen. ... Wir erinnern sie daran, dass dies
unser Land ist." Mehrmals organisierten Lakota Gedenkmärsche
durch Rapid City. Sowohl die indianischen als auch die weißen
EinwohnerInnen riefen sie damit auf, dem Rassismus gemeinsam
entgegenzutreten. Einige haben den Wunsch nicht aufgegeben, dass auch nach
mehr als fünfhundert Jahren noch eine neue Phase des Zusammenlebens
zwischen Weißen und Lakota beginnen kann - ohne Rassismus.
Quellen:
Interviews mit Betroffenen; Zeitungen
(„Rapid City Journal" und „Indian Country Today");
Flugblätter zu Gedenk- und Protestmärschen; Artikel
„Harvest of Death" von Jon Lurie auf
http://www.dickshovel.com/lsa27.html Biographische Notiz:
Bernd Parusel studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität
Berlin. Er war an der Organisation eines Deutsch-Lakota-Jugendaustauschs
beteiligt. 1999 und im Sommer 2001 hielt er sich jeweils mehrere Wochen
lang auf der Reservation Pine Ridge der Oglala Lakota in South Dakota (USA)
auf.
Infokasten: - "Indianer": Sammelbegriff
für die verschiedenen indigenen Völker des amerikanischen
Kontinents. Die Indianer nennen sich im Englischen „Indians". Seit
Bestehen der USA existiert auch der Begriff „Native Americans".
Damit wird der Unterschied zu eingewandertenAmerikanern und deren
Nachfahren betont. Die Lakota sind eines der indigenen Völker der
USA. Sie beschreiben ihre Gesellschaft als "Lakota-Nation". Zur
"Lakota-Nation" gehören mehrere Untergruppen. Eine davon sind die
Oglala Lakota, die auf der Reservation Pine Ridge im US-Bundesstaat South
Dakota leben. - "Reservation": "Reservationen" oder "Reservate"
heißen die Treuhandgebiete, die vom ursprünglichen Land der
nordamerikanischen Indianer heute noch übrig sind (engl.:
reservation), und auf denen die Indianer bedingte Selbstbestimmungsrechte
ausüben, z.B. im Bereich Verwaltung, Betrieb eigener Schulen, einer
Polizeibehörde sowie eines eigenen Justizsystems. Vor allem in
finanzieller Hinsicht sind die Reservationen jedoch von der
US-Bundesbehörde "Bureau of Indian Affairs - BIA" abhängig.
Diese regelt teilweise auch Fragen der Landnutzung und der sozialen
Versorgung auf den Reservationen. - "indianisches Vertragsland":
Mit fast allen indianischen Nationen schlossen die britischen Einwanderer,
sowie später die US-Regierung, in der Vergangenheit Verträge mit
völkerrechtlichem Status ab. Für die Lakota ist der sogenannte
Fort-Laramie-Vertrag von 1868 von besonderer Bedeutung. Er sichert ihnen
weite Teile des Gebiets des heutigen US-Bundesstaates South Dakota zur
"ausschließlichen und ungestörten Nutzung" zu. Dieser Vertrag
wurde jedoch - wie viele andere auch - von der US-Regierung gebrochen. Die
Lakota kämpfen zwar immer noch für die Anerkennung des Vertrags,
faktisch sind ihnen jedoch nur die heute noch existenten - deutlich
kleineren - Reservationen geblieben. Diese Reservationen und das Land, was
ihnen gemäß der Verträge darüber hinaus noch zusteht,
wird als "indianisches Vertragsland" bezeichnet. - "American
Indian Movement - AIM": Diese indianische Bewegung gegen Rassismus,
Landenteignung und Zerstörung indianischer Kultur gründete sich
in den 60er Jahren in der Stadt Minneapolis, Minnesota. Die
AIM-AktivistInnen sind meist in indianischer Spiritualität verwurzelt,
geben indianischen BürgerInnen Unterstützung in Rechtssachen und
kämpfen u.a. für die Rückgewinnung ihres Landes sowie die
Aufrechterhaltung bzw. Ausweitung der indianischen Souveränität
auf den Reservationen. Daneben gründete AIM indianische
„Überlebensschulen" und Einrichtungen der Gesundheitsversorgung.
Für die "Wiederherstellung der Würde der indianischen Nationen",
so AIM, spielt die Bewegung eine herausragende Rolle.
© Bernd Parusel
Indianer-Spiele I Indianer-Leben - Eine Werkstatt I Im Labyrinth der Sandberge
Schriftstellerische Arbeit
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